Es ist 06:14 Uhr. Eine Tür rollt hoch. Der Lagermeister, der seit vierzehn Jahren diesen Schichtwechsel öffnet, hebt zwei Klemmbretter vom Tisch und verteilt sie. Auf dem ersten steht die Liste der Wareneingänge, die vor zehn Uhr kommen. Auf dem zweiten: die Aufträge mit Versand-Cut-off um 12:30.
Was in den nächsten sechs Stunden in diesem Lager passiert, entscheidet über zwei Zahlen, die im Marketing nie auftauchen: die Wiederbestellrate der nächsten Saison und die Retourenquote des laufenden Quartals.
Marken werden auf Plakaten gemacht – und im Lager wieder kaputt.
Was wir in solchen Lagern finden
Drei Beobachtungen, immer wieder. Erstens: Die Pickliste ist kostenoptimiert, nicht markenoptimiert. Hero und C-Sortiment werden im selben Karton verpackt.
Zweitens: Der Karton ist generisch. Es ist der Karton des 3PL-Anbieters – nicht der Karton der Marke. Der Kunde sieht das in zwei Sekunden.
Drittens: Niemand weiß, warum die Retouren retourniert wurden. Die Quote wird gemessen, der Grund nicht. Was nicht gemessen wird, kann nicht abgestellt werden.
Sieben Stationen im Wertstrom → § 02
