Studie N°01 / 2025Der DFM-Forschungsbogen – Empirie · Methode · MandatDACH · NA · APACField, März – November 2025
Start/Forschung/Studie N°01 / 2025
Studie · Field-Research

Verhandlungs­stile im
interkulturellen
Vergleich.

Wo Vorbereitung dominiert, wo Wert­schöpfung dominiert, wo Beziehung dominiert – und warum keine der drei Regionen in allen drei Dimensionen führt.

Sample312 Verhandlungs­profis
Cases9 standardisierte Szenarien
RäumeDACH · Nord­amerika · APAC
ErhebungMärz – November 2025
Studie N°01 / 2025DACH · NA · APAC
DACHVORB.WERTBEZ.NAVORB.WERTBEZ.APACVORB.WERTBEZ.
Vermerk · Field, März – November 2025Wir haben 312 Verhandlungs­profis aus DACH, Nord­amerika und APAC mit neun standardisierten B2B-Cases konfrontiert. Erhoben wurden Vorbereit…

Wir haben 312 Verhandlungs­profis aus DACH, Nord­amerika und APAC mit neun standardisierten B2B-Cases konfrontiert. Erhoben wurden Vorbereitungs­zeit, Verhandlungs­dauer, erzielter Wert, Wert­verteilung und Beziehungs­bewertung der Gegenseite.

Drei Befunde stechen heraus: DACH investiert die meiste Vorbereitungs­zeit, erzielt aber unterdurchschnittliche Beziehungs­werte. Nord­amerika erschließt den höchsten Gesamt­wert, verteilt ihn aber asymmetrisch. APAC führt in der Beziehungs­ebene, lässt im Schnitt aber Wert auf dem Tisch.

Wie wir gemessen haben.

01

Design & Pretest

Februar 2025 · 12 Pretest-Verhandlungen

02

Feld DACH

März – Mai 2025 · 124 Verhandler

03

Feld NA

Juni – August 2025 · 96 Verhandler

04

Feld APAC

September – November 2025 · 92 Verhandler

05

Auswertung

Dezember 2025 · Q1/2026

Was die Daten
tatsächlich sagen.

§ 01

DACH bereitet vor – und unterhandelt im Nachgang.

Mit durchschnittlich 6,4 Stunden Vorbereitung pro Case führt DACH die Stichprobe an. Im Closing zeigt sich aber eine ausgeprägte Tendenz, das eigene Ergebnis nicht offensiv zu verankern.

6,4hVorbereitungs­zeit Ø DACH
§ 02

NA erschließt Wert – verteilt ihn aber einseitig.

Nord­amerika erzielt im Mittel den höchsten Gesamt­wert pro Case (+18 % vs. DACH). Die Verteilung kippt jedoch deutlich zugunsten der eigenen Seite, was die Beziehungs­bewertung der Gegenseite drückt.

+18%Gesamt­wert vs. DACH
§ 03

APAC verhandelt in zwei Geschwindigkeiten.

APAC führt in der Beziehungs­bewertung (8,1 / 10) und in der Wahrscheinlichkeit, dass die Gegenseite ein zweites Mandat verhandelt. Im einzelnen Case bleibt aber Wert liegen.

8,1/10Beziehungs­wert APAC
§ 04

Keine Region ist in allen drei Dimensionen stark.

Über alle Cases hinweg: keine Region erzielt gleichzeitig Top-Werte in Vorbereitung, Wert­erschließung und Beziehung. Wer die Methode kulturell adaptiert, verbessert systematisch in der schwächsten Dimension.

Was die Daten
zeigen.

FIG. 02 · RADARVerhandlungsstil-Profil · 6 Dimensionen
VORBEREITUNGSACHEBENEBEZIEHUNGWERTTEMPOFLEXIBILITÄTDACHNORDAMERIKAAPAC0100
Selbst- und Fremd­einschätzung verdichtet zu sechs Dimensionen, gemittelt je Region. DACH dominiert Vorbereitung und Sach­ebene; NA führt bei Wert­erschließung; APAC bei Beziehungs­tiefe.Quelle · DFM Service · 312 Verhandlungen · 2025
FIG. 03 · BARSVorbereitung vs. Beziehungs­wert
02550751002858DACH1771NA2289APACINDEXVorbereitung (h)Beziehungs­wert
Eingesetzte Vorbereitungs­zeit (Stunden) versus erzielter Beziehungs­wert (Index 0–100). DACH-Verhandler investieren am meisten – und ernten am wenigsten.Quelle · DFM Service 2025 · n=312
FIG. 04 · PARALLELVier-Faktoren-Profil je Region
WERT0100RISIKO0100EMPATHIE0100TEMPO0100NADACHAPAC
Wert­erschließung, Risiko-Toleranz, Empathie, Tempo – die vier Verhaltens­faktoren, die in der Regression 71 % der Outcome-Varianz erklären.Quelle · DFM Service 2025 · Regression R²=0.71

Es gibt keinen besten Verhandlungs­stil. Es gibt nur einen Stil, der zur Gegenseite, zum Mandat und zum Ergebnis passt.

— Aus den Befunden, S. 31

Was das für
Mandate heißt.

Die Daten widerlegen die populäre These, „die Amerikaner verhandeln aggressiv, die Asiaten beziehungs­orientiert, die Deutschen gründlich". Sie bestätigen Teile davon – und zeigen zugleich, dass jeder Stil seinen blinden Fleck hat.

Für den Mittelstand bedeutet das: Eine Methode wie das Harvard-Konzept ist nicht weniger anwendbar, weil verschiedene Kulturen verschieden verhandeln. Sie ist genau deswegen anwendbar – als gemeinsames Vokabular über kulturelle Stilfragen hinweg.

Wer als deutsches Mittel­ständler mit nord­amerikanischen Käufern verhandelt, sollte nicht „härter" werden, sondern den Wert ausdrücklicher artikulieren. Wer mit APAC verhandelt, sollte nicht „beziehungs­orientierter" werden, sondern Beziehung als Investitions­zeit ernst nehmen.

Grenzen.
Quellen.

Grenzen der Studie

  • Selbst-Selektion: Teil­nehmer:innen waren bereits methodisch interessiert.
  • Cases sind synthetisch – sie operationalisieren, was reale Mandate selten so sauber zeigen.
  • Die Beziehungs­bewertung wurde direkt nach Abschluss erhoben; Langzeit­effekte sind nicht erfasst.

Ausgewählte Literatur

  1. Fisher, R., Ury, W., Patton, B.Getting to Yes.Penguin, 2011 (3. Aufl.).
  2. Brett, J. M.Negotiating Globally.Jossey-Bass, 2014.
  3. Adair, W. L. & Brett, J. M.The Negotiation Dance.Organization Science, 2005.
  4. Gunia, B. C., Brett, J. M., Nandkeolyar, A. K.Trust Me, I'm a Negotiator.Organizational Dynamics, 2014.

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