Vorbereitung – die Lieferantenakte.

Vor jedem Einkaufsgespräch existiert eine Akte: Marktpreise, Wettbewerbs­alternativen, Liefer­historie, Qualitäts­statistik, BATNA. Wer diese Akte führt, verhandelt nicht – er prüft.

Die Lieferanten­akte ist im Mittelstand selten gepflegt – nicht aus Trägheit, sondern aus fehlender Routine. Eine einzige A4-Seite pro Lieferant, vierteljährlich aktualisiert, schließt 80 Prozent der Vorbereitungs­lücke. Wer diese Disziplin im Einkauf einführt, hebt die Verhandlungs­wirkung des gesamten Teams in einem Quartal.

Notiz · ZahlenDrei Vergleichs­angebote sind das Minimum. Fünf machen den Unterschied. Zehn klären den Markt.

Anker und Ziel im Einkauf.

Im Einkauf ankern Sie nach unten: ambitioniert, mit Marktdaten begründet, knapp jenseits des realistisch Erreichbaren. Ein zu zaghafter Anker verschenkt das Margen­fenster, das nie wieder kommt.

Ein zaghafter Einkaufs­anker ist teurer als gar kein Anker. Wer mit -3 % öffnet, signalisiert die eigene Schmerz­grenze; die Gegenseite weiß sofort, wo das Spiel endet. Wer mit -8 % oder -12 % öffnet, hält den Korridor offen – und eröffnet sich die Möglichkeit, Konditionen jenseits des reinen Preises zu verhandeln.

Konditionen jenseits des Preises.

Wenn der Preis steht, beginnt die zweite Verhandlung: Skonto, Zahlungs­ziel, Lager­bestand, Garantie­frist, Mengen­staffel. Diese Konditionen sind oft beweglicher als der Preis – und ihr Margen­effekt addiert sich auf.

Ein konkretes Rechen­beispiel: 2 % Skonto bei 14 Tagen statt 30 Tagen Zahlungs­ziel entspricht einem Effektiv­zins von rund 36 % p. a. – kaum ein Lieferant lehnt das ab, kaum ein Einkäufer rechnet es. Genau in diesen Lücken liegt die zweite Marge, die in der Preisverhandlung nicht auftaucht.

„Wer im Einkauf nur über den Preis verhandelt,
verschenkt die zweite Verhandlung – und die ist oft größer als die erste.“

Mehrjahresverträge.

Bei mehrjährigen Verträgen verhandeln Sie nicht nur den Einstiegspreis, sondern die Indexierungs­logik, die Eskalations­wege, das Sonder­kündigungs­recht. Ein guter Mehrjahresvertrag schützt vor unberechenbaren Preis­anpassungen – ein schlechter zementiert sie.

Mehrjahres­verträge ohne explizite Indexierungs­regel sind eine Wette auf das Klima – buchstäblich. Energie­preise, Stahlpreise, Wechselkurse haben in den letzten Jahren bewegungs­stark zugeschlagen. Ein guter Vertrag formuliert nicht nur die Anpassungs­logik, sondern auch die Eskalations­wege bei Störungen.

Das Einkaufsgespräch in 60 Minuten.

00:00 Akte sichten · 00:10 Anker setzen mit Begründung · 00:20 Konditionen klären · 00:35 Volumen und Laufzeit · 00:45 Vertragsstruktur · 00:55 Zusammenfassung schriftlich. Diszipliniert, sequenziert, nachvollziehbar.

Disziplin im Einkaufs­gespräch heißt nicht Härte, sondern Reihenfolge. Wer Konditionen vor Volumen verhandelt und Volumen vor Vertrag, behält die Verhandlungs­macht. Wer in umgekehrter Reihenfolge verhandelt, hat die Hebel verschenkt, bevor er sie braucht.